Hinter den Kulissen des Cirque du Soleil

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Es war und ist ein Kindheitstraum von mir: einmal eine Seiltänzerin zu sein und mit dem Zirkus um die Welt zu reisen! Und auch heute noch löst jedes noch so kleine Zirkuszelt den Wunsch in mir aus, einzutauchen in diese magische Welt voller Farben, Licht und Akrobatik. Angesichts meiner Sportlichkeit (und meines Alters) wird es wohl ein Kindheitstraum bleiben, doch das Gefühl, das meine Zirkusbesuche in der Kindheit hinterlassen haben, werde ich nie vergessen und es prägt mich noch bis heute.

 

Faszination Zirkus

Der Besuch eines Zirkus war Aufregung pur, etwas, das Kinder und Kids heutzutage kaum mehr kennen. Aufregung und Vorfreude verband sich mit dem Duft von frischem Popcorn und oft auch dem Duft vom Streu für die Tiernummern in der Manege. Seiltänzerinnen waren für die mich Ballerinas der Lüfte, Dompteure die mutigsten Menschen der Welt und Clowns schafften es, mich durch einfachste Tricks und Schabernack zum Lachen zu bringen. Es wurde gezaubert, verbogen und jongliert.

Inzwischen sind meine Tochter (6 Jahre) und ich schon Zirkusprofis. Angefangen haben wir mit einem kleinen Familienzirkus: Vater, Mutter, 2 Kinder und 3 Pudel. Schon bald steigerten wir uns und hatten das Glück Vorstellungen des Zirkus Roncalli oder auch des Zirkus Krone zu sehen.
Doch wirklich nichts ist mit einer Vorstellung des Cirque du Soleil zu vergleichen!
Ich war ca. 9 Jahre alt, als ich das erste Mal eine Vorstellung des kanadisch-stämmigen Zirkus in Frankfurt sah. Hier verbanden sich Akrobatik mit Schauspiel und Erzählkunst, die Kostüme waren die aufwendigsten und schillerndsten, die ich je gesehen hatte und die Musik unterstrich die Geschichte, die die Artisten für uns auf die Bühne brachten.

 

Leidenschaft als gemeinsamer Nenner

Heute, fast 45 Jahre nach der Gründung des Cirque du Soleil, laufen über 19 Shows auf der ganzen Welt. Viele der Shows wurden mehrfach ausgezeichnet und ich kenne niemanden, der nicht von dem Zauber des Cirque angesteckt wurde.

Seit gestern läuft TOTEM, die neue Show des Cirque du Soleil, in Düsseldorf. Bereits von Weitem sieht man gleich mehrere weiße Zelte, deren Spitzen in den blauen Himmel ragen. Ein Blick hinter die Kulissen verrät, warum der Zirkus so groß ist und wie viel Arbeit, vor allem aber auch Leidenschaft in einer Show stecken.

Johnny Kim, Artistic Director des Cirque du Soleil für Totem, erzählt mir, wie es ist, mit 48 Akrobaten, Musikern und Darstellern aus 20 Nationen zu arbeiten. Dabei sitzen wir im Trainingszelt, das neben Matten, Seilen und Ringen auch Platz für einen Kraftraum und einer eigenen Physio-Station aufweist. Drei Ärzte und Physiotherapeuten reisen ständig mit, um sich um die Gesundheit und Fitness des Teams zu kümmern. An einer Zeltwand lehnen die Einräder der 5 Artistinnen, die später Schalen nur mit den Füßen auf ihren Kopf katapultieren und das auch gerne mal rückwärts und über die Schulter. Auf der anderen Seite sind Masken und Schmuck der Indiander aufgereiht und irgendwo steht ein kleiner Weihnachtsbaum aus Plastik, der sanft daran erinnert, dass doch bald Weihnachten ist.

 

Johnny erklärt mir, dass hier mehrere Stunden täglich trainiert wird. Bei so vielen Artisten nicht so einfach. Man einigt sich über Raum und Zeit und doch sind es so viele unterschiedliche Kulturen, die auf engsten Raum zusammenkommen. Wie schafft man es, dabei so gut miteinander auszukommen? (Ich muss an den Schulhof meiner Tochter denken, auf dem ebenfalls unterschiedliche Kulturen, Befindlichkeiten und Meinungen aufeinandertreffen).
Johnny muss nicht lange überlegen, als Amerikaner mit vietnamesischen Wurzeln kennt er die Problematik. „Man muss aufmerksam sein, die Menschen beobachten und ihre feinen Nuancen wahrnehmen – wer sie sind, wie sie sprechen oder reagieren. Das ist nicht so einfach, aber wenn wir das tun, dann finden wir einen Konsens darüber, wie wir miteinander umgehen. Natürlich haben wir auch hier Dramen aber nach einer Zeit findet sich alles zusammen, wie Wasser und es beginnt zu fließen“. Seine Worte hallen noch in mir nach und ich überprüfe mich selbst, wie ich tagtäglich auf andere Menschen zugehe.


Meine nächste Frage stelle ich ihm mit den Worten „Wenn Kinder Artisten werden wollen, was würdest du ihnen mit auf den Weg geben, was ist das Wichtigste, um zu starten?“ (Natürlich frage ich das mit dem Hintergrund von Kindern, doch wenn ich ehrlich zu mir bin, überlege ich doch ganz kurz, ob ich nicht doch in ein hautenges mit tausenden von Strasssteinen besetztes Kostüm passe….immerhin, es ist Stretch 😉)
„Leidenschaft“, so Johnny’s Antwort, „jeder kann etwas „wollen“, doch nur diejenigen, die etwas mit Liebe und Leidenschaft tun, werden erfolgreich sein.“

 

Das Team hinter den Kulissen

Während wir weiterlaufen, beobachte ich die Artisten, wie sie mit Konzentration, Humor und höchster Professionalität trainieren und die Vorfreude auf die Show wächst. Hinter großen Rollcontainern tut sich das wohl kleinste Modeatelier der Welt auf. 3 Kostümbildnerinnen, 3 Assistenten sitzen hier und befestigen Pailletten, reparieren Kostüme (insgesamt 750!), flechten Frisuren auf Perücken, passen Schuhe und Masken an und erzählen dabei munter, dass jedes Kostüm, das auf der Haut getragen wird täglich gewaschen wird – teilweise mit der Hand. Chapeau! Ich bin schon mit der wöchentlichen Wäsche oft überfordert, aber Handwäsche – und das täglich? Auch hier wird mit vollster Konzentration gearbeitet. Bis zu 3 Kostüme hat jeder Artist auf Lager. Besonders beeindruckend ist der Schuhschrank, auch wenn die Bezeichnungen auf den einzelnen Abteilungen etwas irritieren „Monkeys“, „Astronauts“… Doch das ist nicht die einzige Werkstatt – ein Zelt erwartet uns eine weitere, eine „Tool-„Werkstatt. Hier werden Musikinstrumente sowie technisches Equipment und Bühnenteile repariert. Ich bin beeindruckt. Dieser Zirkus hat eine Dimension, die ich so vorher nicht kannte (insgesamt sind es 118 Teammitglieder aus über 28 Nationen).
Das Zirkusteam ist viele Monate auf Tour. Zwar sehen sie ihre Familien dadurch wenig, jedoch haben sie aufgrund ihrer längeren Spielzeiten die Möglichkeit, Länder und Städte besser kennen zu lernen. Die Welt wird zu einer zweiten Heimat. Das Ziel: Kinder und Erwachsene zu faszinieren, sie mitzunehmen auf eine Reise und die Reise bei TOTEM beschreibt nichts anderes als die Evolution selbst.

 

 

 

TOTEM – die Evolution der Menschheit

Auf einer Insel, die an die Form einer Riesenschildkröte erinnert, zeichnet TOTEM die unglaubliche Reise der Menschheit nach – von ihren amphibischen Ursprüngen bis zur Verwirklichung der Utopie vom Fliegen. Dabei werden unsere Träume und das schier unendliche Potenzial erforscht. Totem zeigt in Szenen der Evolutionsgeschichte Verbindungen auf zum kollektiven Ursprung der Menschheit und den Gattungen, die den Planeten mit uns teilen.

Umgesetzt wird dieses Thema in den schillerndsten Kostümen und Figuren. Da gibt es zum Beispiel den Kristallmann, dessen Kostüm über 4.500 Spiegelelemente aufweist. Er „erweckt“ die Schildkröte anfangs zum Leben. Zum Vorschein kommen Amphibien und Fische, die sich kunstvoll von Barren zu Barren schwingen. Teilweise so eng nebeneinander, dass ich die Luft anhalte. Verbunden mit einem Trampolin gleiten sie zwischen den Stangen und durch die Luft hindurch, als könnten sie fliegen.

Indianische Reifentänzer erzählen eine Geschichte – mit Reifen und erschaffen Formen innerhalb von Sekunden während sie dabei unaufhaltsam über die Bühne Tanzen und das Publikum durch ihre Bewegungen und den Rhythmus der Trommeln in ihren Bann ziehen.

Eine Liebesgeschichte erzählen zwei Artisten am Trapez. Sie schmollt, er nähert sich an und spielerisch kommen sie sich dabei näher. Wer denkt, er hätte hier schon alles gesehen, wird überrascht. Elegant gleiten sie von Hand zu Fuß, zu Stange und wieder zurück. Übereinander, nebeneinander, teilweise nur über ein paar Zentimeter verbunden, Meter über den Boden.

Zum Lachen bringt das Publikum „Der Italiener“. Er stellt einen selbstverliebten, aufdringlichen Touristen dar, der zusammen mit dem Clown-Fischer Komik der hohen Art vermittelt. Und spätestens hier merke ich, dass der Cirque du Soleil ein Familienzirkus ist. Das Niveau ist so hoch, dass man sich fragen kann, ob es hier noch Luft nach oben gibt und ich habe selten eine Show oder Vorstellung erlebt, bei der das Publikum immer wieder wild applaudierend Beifall kundgetan hat. Und ich merke, dass ich mich selbst kaum auf dem Sitz halten kann. Meine Tochter und ich fiebern mit, klatschen zum Rhythmus der Musik und schauen gebannt auf die Manege, in der auf kleinstem Raum zwei Rollschuhfahrer die Gesetze der Gravitation außer Gefecht zu setzen scheinen. Wir halten die Luft an, als das unglaubliche russische Team auf dem Barren ihre Kunststücke vorführt. Atemberaubend im wahrsten Sinne des Wortes. Mal unter Blaulicht mit fantastisch-leuchtenden Kostümen, mal im Spot der hellen Scheinwerfer.

Zu schnell gehen über 2 Stunden rum und wir gehen beseelt und sprachlos nach Hause.

 

 

Familien willkommen – gute Sicht garantiert

Noch vor der Vorstellung habe ich mich gefragt, für wen der Cirque du Soleil geeignet ist – Erwachsene? Familien? Bei der Vorstellung fand man beides, wobei man sagen musste, dass bei der Abendvorstellung mehr Erwachsene zu sehen waren. Persönlich würde ich sagen, dass Kinder erst ab einem Alter von 6/7 Jahren eine solch hohe Kunst der Artistik zu schätzen und zu genießen wissen. Karten gibt es ab 37 Euro. Kein Schnäppchen, aber wer die Show gesehen hat, der weiß, wie viel Aufwand, Technik und Artistik in TOTEM stecken – mehr geht nicht und daher ist der Preis mehr als gerechtfertigt. Ein kleiner Tipp am Rande: ich habe ca. 15 Minuten vor dem Buchungstool gesessen und überlegt, welche Reihe die bezahlbar beste wäre. Nach einem Besuch kann ich sagen, dass man von der letzten Reihe genauso gut sehen kann, wie in den vorderen Reihen. Sichteinschränkungen gibt es wenige. Man muss also nicht die Plätze in den ersten Reihen nehmen (ich würde sogar davon abraten, da man dann das Gesamtbild nicht so gut sehen kann).

Was ich aber auch empfehlen kann: ein Besuch des Cirque du Soleil mit einer Freundin, dem Liebhaber oder Ehemann – verbunden mit einem Abendessen könnte es keinen schöneren Abend geben. Wer TOTEM sehen möchte, der kann dies noch bis zum 2. Februar 2020 in Düsseldorf und danach bis zum 22.03. in München tun. Ich gehe jetzt weiter meine Seilnummer üben…

 

 

 


Christine ist Mama eines sechsjährigen Mädchens und führt in Düsseldorf ihre eigene PR Agentur. Mit Christine kann man wunderbar wild zu Dinosaurier Hardrock tanzen und genauso gut nachts über Gott und die Welt sinnieren. Für uns hat sie übrigens auch Noord Holland als Urlaubsziel für Famlien unter die Lupe genommen und die Freizeitparks Toverland und Efteling einem Familiencheck unterzogen!

 

 

 

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