Von Mechanikerinnen und Puppenpapas | Wie vermeide ich Geschlechterklischees?

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Mädchen lieben Puppen, die Farbe rosa und alles mit Glitzer. Sie sind süß, sanft und voller Empathie. Jungs spielen in der Bauecke, wünschen sich nur Autos und tragen selbstverständlich blau. Sie sind wilde, kluge Draufgänger, die die Welt erobern und als echte Indianer natürlich keinen Schmerz kennen. Ist die Welt wirklich so leicht in rosa und blau einzuteilen? Natürlich nicht. Wir brauchen starke, selbstbewusste Mädchen und wir brauchen Jungs, die sich trauen, ihre sanfte, fürsorgliche Seite zu zeigen. Als Eltern ist es schwer, gegen die in der Gesellschaft vorherrschenden Rollenbilder anzukommen. Doch wir können gegenhalten.

(Beitrag enthält Werbung)

„Hör auf zu weinen, Männer weinen doch nicht!“ – sagt der Papa eines zweijährigen Jungen, der auf dem Spielplatz gerade von der Wippe gefallen ist. „Oh, diese großen Augen! Wenn das so bleibt, wird später eine echte Schönheit aus ihr!“, sagt ein Bekannter zu meiner knapp einjährigen Tochter im Buggy. Solche kleinen Bemerkungen kennen sicherlich viele Eltern. Sie zeigen, wie früh Geschlechterzuschreibungen beginnen.

 

Farben sind für alle da – Spielzeug auch

Unsere Vorlieben und unser Kaufverhalten sind von der Gesellschaft geprägt. Die wenigsten würden einem Babyjungen eine rosa Mütze kaufen oder einem Mädchen eine blaue. Doch wie sollen Kinder ihren eigenen Geschmack entwickeln, wenn ihnen schon so früh eingetrichtert wird, welche Farben sie mögen dürfen?

Wie soll aus einem Jungen, der nicht mit Puppen spielen darf, weil das nichts für Jungs ist, ein fürsorglicher Vater werden?

So oft wird der Frauenmangel in technischen Berufen beklagt – aber wie soll ein Mädchen ihr Interesse an Technik entdecken, wenn sie nie mit Spielzeugfahrzeugen spielen darf?

Viele Mädchen haben schon mit zwei Jahren ihre ersten Puppen, die sie liebevoll anziehen, sie mit Puppenfläschchen füttern und sie in kleinen Puppenwagen durch die Gegend schieben. Aber nicht jedes Mädchen möchte Puppenmama sein.

Meine Tochter zum Beispiel hat vor kurzem eine Puppe von unserer Nachbarin geschenkt bekommen. Ein rosa „Mädchentraum“, mit sehr viel Zubehör, ebenfalls in rosa gehalten. Tatsächlich war sie kurz ganz begeistert, hat sie rumgetragen und angezogen. Hat sie gestreichelt und sich einen Namen für sie überlegt. Dann sollte die Puppe gefüttert werden. „Hier Mama, du machst das!“, sagte meine Tochter da und drückte mir Puppe samt Puppenflasche in die Hand. Die Begeisterung fand ein schnelles Ende.

Nein, meine Tochter ist keine Puppenmama. Sie mag Autos, Kipplader, Löffelbagger, Traktoren und Betonmischer. Außerdem findet sie es spannend, wenn Dinge zusammengebaut werden.

Wir sind vor ein paar Wochen umgezogen und hatten daher den Akkuschrauber häufig in Benutzung – Möbel abbauen, Möbel wieder aufbauen, merken, dass die Möbel falsch aufgebaut wurden, Möbel erneut abbauen und so weiter. Meine Tochter war mit großer Begeisterung bei der Sache und wollte auch mithelfen. Mit dem Inbusschlüssel klappte das schon ganz gut, aber der Akkuschrauber war natürlich ein bisschen zu groß für eine Dreijährige. Was tun?

Der John Deere Traktor – Schrauben und Spielen in einem

Wir haben inzwischen ein Spielzeug gefunden, das toll zu unserer Tochter passt – den John Deere Traktor. Er rollt und lässt sich gut in viele verschiedene Spiele einbauen – mal transportiert er kleine Tiere vom Wohnzimmer in die Küche, mal macht er ein Wettrennen mit anderen Fahrzeugen. Inzwischen ist er ein sehr beliebter Bewohner des Kinderzimmers und hat sogar eine eigene Garage bekommen.

Das beste am John Deere: Er kann auseinander und wieder zusammengebaut werden. Denn mit dabei ist ein Akkuschrauber für die Kleinen – eine tolle Imitation eines „echten“ Akkuschraubers. Damit können sechs verschiedene Schrauben raus- und wieder reingedreht werden. Der Traktor kann richtig in seine Einzelteile zerlegt werden – alle vier Räder, das Dach und die Motorhauben werden abgeschraubt. Das Zusammenbauen ist durch große, kindgerechte Schrauben einfach und führt nicht zu Frust. Der John Deere ist daher schon ab 18 Monaten geeignet.

Seine Räder und das Gehäuse sind stabil, der Traktor hält also Einiges aus und geht nicht so leicht kaputt. Wildem Spiel steht also nichts im Weg. Meine Tochter nimmt ihn mit raus in den Garten, wo er Hindernisse überwinden muss und durchs Gras fährt, und er war sogar schon mit in der Badewanne. Voller Einsatz also, dem der John Deere aber Stand hält.

Der Traktor hat eine tolle Größe für die Kleinen: Er ist nicht zu klein, denn man kann ihn gut mit Kinderhänden greifen. Er ist aber auch nicht zu groß, sodass er gut mit anderen Spielsachen kombiniert werden kann.

Sollten wir je wieder umziehen, packen wir den John Deere garantiert als letztes ein und als erstes wieder aus, damit für es für die Kinder auch was zu werkeln gibt.

 

 

Vorgelebte Rollenbilder hinterfragen

Ab ca. 2,5 Jahren lernen Kinder, welchem Geschlecht sie angehören und fangen an, sich entsprechend der vorgelebten Rollen zu orientieren. Sie lernen durch Vorbilder. In den ersten Jahren sind das die engsten Bezugspersonen, also meistens die Eltern.

Im besten Fall teilen sich Mann und Frau die Aufgaben im Haushalt gerecht auf. Doch wer übernimmt welche Aufgaben? Wenn Mama immer kocht und Papa automatisch für das Aufbauen von Möbeln zuständig ist, wäre es vielleicht Zeit für einen kleinen Rollentausch.

Meine Tochter und ich haben neulich zusammen erfolgreich ein Regal aufgebaut. Meine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt und ich musste den ein oder anderen Fluch unterdrücken, aber das Regal steht!

Meine Helferin hat die Schrauben in die passenden Löcher gesteckt, mir den Inbusschlüssel geklaut und ansonsten mit ihrem eigenen Akkuschrauber den neuen John Deere Traktor auseinander- und wieder zusammengeschraubt. Sie ist bereits richtig geschickt darin geworden und war deutlich schneller fertig als ich. Gleichzeitig lernt sie hoffentlich, dass Mädchen, genauso wie Jungs, werkeln, tüfteln, bauen und schrauben können.

 


Über die Autorin

Julie von Berg arbeitet als freie Texterin und PR-Redakteurin. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann, ihrer Tochter, ihren Eltern und zwei Katzen in einem Mehrgenerationenhaus in der Nähe von Köln. Das Schreiben ist ihre große Leidenschaft und sie arbeitet gerade an ihrem ersten Buch.

 

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