Interview mit Annette Holthausen | Gründerin der Forscherfreunde

Forscherfreunde-Familie

Kennt ihr schon die Forscherfreunde? Wer zu Corona-Zeiten auf der Suche nach einer tollen Abwechslung ist, ist vielleicht schon auf sie gestoßen. Hinter den Forscherfreunden stecken Annette (35), ihr Mann Sven und ihre vier bezaubernden Kinder. Die Forscherfreunde gibt es bereits seit Januar 2015. Im Februar 2015 kam dann Baby Nummer drei. Wie die beiden das kleine Familienunternehmen managen und was euch - auch in Corona-Zeiten - bei den Forscherfreunden so erwartet, das erzählt uns Annette im Interview:

Liebe Annette, erzähl uns doch mal, wer du bist:

Ja gerne: Ich bin Annette, 35 Jahre alt und Mama von vier Kindern. Zusammen mit meinem Mann Sven habe ich vor sechs Jahren Forscherfreunde gegründet und leite seitdem mit ihm gemeinsam unser kleines Familienunternehmen.

 

Wolltest du immer eine große Familie haben?

Gute Frage, um ehrlich zu sein, kam mein Großer noch bevor ich mir dazu viele Gedanken machen konnte… 😉 Aber grundsätzlich wollte ich schon immer Kinder haben und gerne auch mehr als zwei.

 

Wie ist die Idee zu den Forscherfreunden entstanden und wann habt ihr gegründet?

Unser großer Sohn war immer schon naturwissenschaftlich interessiert. Irgendwann ist uns dann aufgefallen, dass es im Freizeitbereich für Kinder ganz viel aus dem Bereich Sport gibt und auch aus dem Bereich Musik ist das Angebot riesig. Was beides super ist. Aber aus unserer Sicht fehlte ein gutes und konstantes Angebot aus dem Bereich der Naturwissenschaften.

Wir haben eine ganze Weile darüber nachgedacht und unsere Idee reifen lassen. In diesem Prozess hat sich unser Konzept auch immer mal wieder etwas verändert.

Gegründet haben wir dann im Januar 2015. Das war kurz bevor im Februar des gleichen Jahres unser drittes Kind geboren ist.

 

Wow, das klingt ganz schön turbulent! Du und dein Mann wuppen das Unternehmen gemeinsam. Wie funktioniert das?

Mal gut, mal weniger gut… 😉 Nein, im Ernst, wir ergänzen uns tatsächlich ziemlich gut. Wir bringen auf dem Papier zwar ähnliche Qualifikationen mit, im echten Leben haben wir aber ganz unterschiedliche Stärken.

Mein Mann hat einen BWL-Hintergrund und hat vor der Selbständigkeit als Vermögensberater bei einer Bank gearbeitet. Ich bin Volkswirtin und habe auch schon in der Finanzbranche und später in der Wissenschaft gearbeitet. Im Arbeitsalltag ist er der Praktiker von uns beiden. Der LEGO-Man. Der, den die Kinder lieben und dem unsere Programme mindestens so viel Spaß machen, wie den Kids. Mich findet ihr meistens vor den Zahlen, den Buchungen und den E-Mails.

Forscherfreunde war von Anfang an eine gemeinsame Idee, aber es hat sich damals angeboten, dass ich erstmal formell gründe und er seinen Job bei der Bank behält. Mein Mann hat dann im Februar 2015, als unser Sohn geboren wurde, ein Jahr Elternzeit genommen, sodass wir zusammen Zeit für unsere zwei „Babys“ hatten. Nach dem Jahr hat er dann aber erstmal wieder seinen Berater-Job weiter ausgeübt, weil das junge Unternehmen uns finanziell noch nicht getragen hat.

Nachdem wir 2015 an den Standorten Heidelberg, Karlsruhe und Mannheim gestartet waren und 2016 auch schon Feriencamps in Köln angeboten hatten, haben wir dann 2017 sieben weitere Feriencamp-Standorte dazu genommen. Seit dem Jahr sind wir „all-in“, mein Mann hat sich also endgültig bei der Bank verabschiedet und ist seit dem nur noch Forscherfreund.

Wie sieht das Konzept der Forscherfreunde aus und was genau bietet ihr an?

Mit Forscherfreunde wollen wir einen Raum für kleine Forscher schaffen. Einen Ort, an dem Kinder spielerisch naturwissenschaftliche Themen ausprobieren können. Ohne Druck oder Lernzwang.

Viele Kinder sind naturwissenschaftlich interessiert. Im Schulalltag kommen diese Inhalte aber oft zu kurz. Und wenn sie in der Schule behandelt werden, dann ist das in der Regel mit Lernzielen verbunden, das Tempo ist vorgegeben und es gibt wenig Möglichkeiten mal nach links oder rechts abzuschweifen. An der Stelle möchte ich niemandem einen Vorwurf machen, schon gar nicht den Lehrern. Unser System „Schule“ funktioniert einfach so. Und deswegen wollen wir mit den Forscherfreunden diese Themen in den Freizeitbereich holen. Die Kids lernen natürlich auch bei uns viel. Nicht zuletzt deshalb sind wir ein anerkanntes Bildungsinstitut. Wir haben aber den Vorteil, dass wir keine festgelegten Lernziele erreichen müssen. Die Kids können spielerisch die Inhalte erforschen – in ihrem eigenen Tempo.

Wir bieten unterschiedliche Formate und Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche an. Die größte Sparte sind unsere Ferienprogramme, dazu zählen Feriencamps (ohne Übernachtung) und die Forscherreisen (mit Übernachtung). Darüber hinaus bieten wir auch kürzere Workshops (online und offline), Kindergeburtstage, Forscher-AGs an Schulen und Forscherpost an.

Die Feriencamps finden an 11 Standorten zwischen Düsseldorf und Stuttgart statt. Es gib unterschiedliche Forscherprogramme: Von der „Experimentierbude“ über „Maschinen und Mechanik mit LEGO®“ bis hin zu „Roboter bauen und programmieren“. In allen Camps wechseln sich Forscher- und Bewegungszeiten ab. Mehr zu den Feriencamps.

Die Forscherreisen sind für die größeren Kids (ab 10 Jahre). Hier wechseln sich Outdoor-Abendteuer und IT-Sessions ab. Floßbauen und Lagerfeuerromantik gehört genauso dazu wie eine Mod in Minecraft programmieren. Mehr zu den Forscherreisen.

 

Mit Forscherfreunde wollen wir einen Raum für kleine Forscher schaffen. Einen Ort, an dem Kinder spielerisch naturwissenschaftliche Themen ausprobieren können. Ohne Druck oder Lernzwang.

 

Wie hat Corona euch und das Business beeinflusst?

Oh – sehr! Von einem auf den anderen Tag ging bei uns nichts mehr. Laufende Forscher-AGs wurden gecancelt, Feriencamps und andere Veranstaltungen mussten abgesagt werden. Privat ging es uns, wie vielen anderen: Auf einmal waren alle Kids zu Hause. Was wir einerseits sehr genossen haben, war andererseits nicht immer einfach. Ein Kleinkind, ein Kindergartenkind, Homeschooling und Homeoffice sind nun mal nicht so leicht unter einen Hut zu bekommen. Gleichzeitig spielten natürlich Existenzängste eine Rolle. Wir hatten auf einmal keine Einnahmen mehr, mussten aber im Voraus bezahlte Beträge zurückerstatten.

Nach der ersten Schockstarre haben wir während des Lockdowns im Frühjahr 2020 die Forscherpost ins Leben gerufen. Mit der Forscherpost können Familien Material und Anleitungen für vier einfache Experimente nach Hause bestellen. Mit diesem Angebot wollten wir Familien die Zeit des Lockdowns etwas verkürzen und natürlich war es auch für uns eine Aufgabe, die uns während dieser Zeit eine Beschäftigung gab. So wurde es unser tägliches Ritual mit allen Kindern Forscherpost-Bestellungen zu packen und zu versenden. Danach gab es immer ein Eis und einen Spaziergang im Wald. Unsere Forscherpost kam so gut an, dass wir ein paar Wochen später schon eine zweite Version gelauncht haben – die Forscherpost Farbe.

Während des Sommers konnten wir glücklicherweise unsere Feriencamps durchführen. Es wurde unser neues Hobby fast täglich die sich ständig verändernden Corona-Verordnungen der verschiedenen Bundeländer zu lesen. Denn natürlich waren Auflagen, die in Düsseldorf oder Köln galten, noch lange nicht relevant für Stuttgart oder Frankfurt.

 

Als wir im Herbst schon dachten, wir wären mit einem blauen Auge durch diese Pandemie gekommen, kam bekanntlich der zweite und deutlich längere Lockdown. Wir mussten natürlich wieder alle Veranstaltungen absagen.

Und wir haben uns wieder etwas ausgedacht, was wir während dieser Zeit anbieten können, um für Familien etwas Abwechslung in den Lockdown-Alltag zu bringen: Online-Workshops für Kinder und Jugendliche. Der erste Online-Workshop war „Minecraft – Jux und Knobelei“ Anfang Januar 2021. Nach immer längerem Kaugummi-Lockdown und vielen Kids, denen die Workshops Spaß gemacht haben, bieten wir heute acht verschiedene Online-Workshops an: Minecraft – Jux und Knobelei 1 – 5, Programmieren mit Scratch 1 und 2 und die „Comic Werkstatt“.

Auch für die Zeit um Pfingsten (einige Bundesländer haben ja Schulferien) bieten wir ein buntes Programm aus Online-Workshops an. Das Pfingstprogramm findet ihr hier

Wir sind glücklich, mit den Online-Workshops eine Corona-konforme Alternative gefunden zu haben. Trotzdem hoffen wir sehr, dass wir im Sommer endlich wieder Forscherreisen und Feriencamps durchführen können. Glücklicherweise bessert sich das Infektionsgeschehen zurzeit und wir sind optimistisch!

 

Wann starten eure nächsten Forscherreisen & Feriencamps und wer kann mitmachen?

Wenn Corona es zulässt, startet unser Offline-Programm (also Feriencamps und Forscherreisen) wieder in den Sommerferien. Den Anfang machen Köln und Düsseldorf in NRW Anfang Juli. Zwei Wochen später starten die Ferienveranstaltungen in Hessen und Rheinland-Pfalz (Darmstadt, Frankfurt, Mainz und Oberursel) und im August zieht dann Baden-Württemberg nach (Heidelberg, Leimen, Karlsruhe, Mannheim und Stuttgart).

Teilnehmen können alle interessierten Kinder zwischen 5 und 14 Jahre (Alternsempfehlungen sind abhängig vom gewählten Forscherprogramm).

Die Forscherreisen finden während fünf Wochen zwischen Mitte Juli und Ende August statt. Sie sind für Jugendliche zwischen 10 und 14 Jahren.

Teilnehmen kann jeder, der Lust hat. Alle Ferienveranstaltungen findet ihr hier

 

Was hoffst du für die Zeit nach Pfingsten? Gibt es dafür auch einen Back-Up Plan?

Wir hoffen natürlich, dass Corona zurück geht und wir wieder Feriencamps und Forscherreisen durchführen können!

Das Back-Up wäre auch für den Sommer ein Online-Workshop-Programm.

Die Online-Workshops sind eine gute Alternative, wenn Präsenzveranstaltungen nicht stattfinden können. Wir würden aber deutlich lieber mal wieder ganz reale Veranstaltungen durchführen. Es ist einfach nochmal schöner, wenn man vor Ort ist und die Kids direkt sehen kann. Auch die Gruppendynamik ist eine andere. Der derzeitige Pandemieverlauf stimmt uns aber glücklicherweise sehr positiv. Ich bin mir sicher, dass wir uns in den Sommerferien alle wiedersehen können! 😊

Und noch eine Anmerkung für alle, die jetzt überlegen, ob man denn schon buchen sollte und was passiert, wenn die Veranstaltungen dann doch abgesagt werden müssten:

Falls die Feriencamps und Forscherreisen coronabedingt abgesagt werden, würden wir natürlich alle Buchungen kostenfrei stornieren und schon bezahlte Beiträge zurückerstatten. Außerdem könnt ihr gerne mit der Zahlung der Beiträge bis 14 Tage vor Veranstaltungsbeginn warten (Achtung: Im Buchungsprozess dafür „Vorkasse / Überweisung“ auswählen) – bis dahin wissen wir, was los ist. Ihr könnt also auf diese Weise völlig risikolos und trotzdem verbindlich einen Platz im Camp oder der Forscherreise reservieren. Mehr Fragen und Antworten zu Corona haben wir hier zusammengefasst: https://forscherfreunde.de/faq-corona/

 

Hast du zum Abschluss drei Tipps für Frauen, die ebenfalls über eine Gründung nachdenken?

Meine drei Tipps wären:

  • Wenn dein Herz sagt: „Machen.“, dann leg los. Möglicherweise gibt es noch offene Fragen und Herausforderungen, die du zurzeit noch nicht lösen kannst. Oder vielleicht glaubst du, der Zeitpunkt ist gerade nicht richtig. Aber Antworten und Lösungen wirst du unterwegs finden, wenn du gestartet bist. Und richtige Zeitpunkte gibt es im Leben (fast) nie. Also: Fang an! 😊
  • Hol‘ dir Hilfe. Du kannst nicht alles allein machen. Egal, ob das der Steuerberater ist, der die Buchhaltung für dich macht, eine studentische Aushilfe, die deine Social-Media-Kanäle für dich bespielt oder ein Babysitter, der dir den Rücken freihält – es ist einfacher, wenn du ein Team hast. Und: Ziele werden verbindlicher, wenn du sie mit einem Team teilst. Möglicherweise denkt die ein oder andere jetzt: Das kann ich mir nicht leisten. Und natürlich ist es richtig, auch das Budget im Blick zu haben, aber erfahrungsgemäß nimmst du dich selbst und deine Idee ernster, wenn du auch etwas investierst.
  • Relax! Schlechte Tage und Rückschläge gehören dazu und sind normal. Nach Regen folgt immer Sonnenschein. 😊

Wow, das sind schöne Schlussworte! Vielen Dank, liebe Annette

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